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Die Sänger frönen wieder ihrer Leidenschaft

Rauenberg. Sanfte Lieder durchfluteten den Rauenberger Tierpark, vielleicht mag sich so manch eine Ente, Ziege oder Esel gefragt haben, wer das denn ist, der so schön singt. Denn zum ersten Mal nach der über drei Monate langen Coronazwangspause fand wieder die Probe von „Chorazón“, einem Chor des Liederkranzes Rauenberg, statt. Aufgrund der verschärften Hygienemaßnahmen probten die Sänger unter Chorleiter Konrad Knopf unter freiem Himmel im Tierpark – eine nicht ganz gewöhnliche Situation.

„Wir haben lange überlegt, ob wir die Proben durchführen sollen“, sagte Alexandra Hotz, die zusammen mit Gaby Hertenstein und Uwe Lentz die Vorstandschaft bildet. Der Verein führte eine Umfrage unter der Chorgruppe durch und fast alle waren dafür, die Proben wieder aufzunehmen. Es wurde überlegt, wie das Hygienekonzept für Chöre am besten umzusetzen sei und man kam zum Entschluss, im Freien zu üben. Nun finden nach Absprache mit dem Tierpark die Proben bei schönem Wetter hier statt.

Ungewöhnlich ist aber nicht nur der Ort, sondern auch die Umstände, unter denen der Chor coronakonform agieren muss. Statt eng beieinander zu stehen, beträgt der Abstand beim Singen nun zwei Meter, dadurch gehe der Chorklang schon verloren, sagte Chorleiter Konrad Knopf, der die Probe auf dem E-Piano begleitete. Allerdings lief laut den Sängern und dem Chorleiter die erste Probe besser als erwartet. Der Chorklang war da, wenngleich natürlich nicht so voluminös, als wenn man beieinander steht. Die Abstände waren ausgemessen und Bierdeckel markierten die Stellen, an denen die Sänger stehen mussten. Außerdem trug sich jeder in eine Liste ein. Statt in einer Gruppe zu üben, gab es getrennte Proben für Sopran, Alt, Bass und Tenor. Jede Gruppe hatte rund 40 Minuten Zeit.

Die Vorfreude war groß, ein wenig aufgeregt waren die Sänger auch, gefehlt haben – neben dem Singen natürlich – soziale Kontakte. Endlich wieder gemeinsam singen, meinte eine Sängerin glücklich. Denn schließlich sei das ein toller Chor und man verstehe sich untereinander so gut, der Kontakt habe in den letzten Monaten einfach gefehlt. „Wer rastet, der rostet“, sagte eine andere Sängerin schmunzelnd, sie sei gespannt, ob ihre Stimme eingerostet sei. Gesungen hatte in der Zwangspause jeder für sich, über E-Mail wurden verschiedene Lieder weitergegeben – vergleichbar mit dem Singen in der Gemeinschaft ist das aber nicht.

Die ersten Lieder im Tierpark klangen noch ein wenig zögerlich, es dauerte aber nicht lange und jeder hatte sich an die Situation gewöhnt und gab sein Bestes. Die Freude beim Singen war den Teilnehmern anzusehen, danach strahlten sämtliche Augen. Durch den Tierpark hallte ein flottes „Hit the Road Jack“, ein sanft klingendes „Angels“ oder „Lenas song – Fly with me“. Bei allen drei Gruppen lief es besser als gedacht, jeder war glücklich, seine Leidenschaft wieder ausüben zu können.

Der Liederkranz hat drei Chorgruppen, Chorazón, „Die Vielharmonischen“ und den Kinder- und Jugendchor. Aber die anderen Gruppen möchten mit den Proben noch ein wenig warten.

Von Agnieszka Dorn
Mit freundlicher Genehmigung der RNZ